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Möglicher „Eignungstest" von Krebsmedikamenten zur individuellen Behandlung


Eine neue Landmark-Studie zeigt, wie mit bestehenden Krebsmedikamenten möglicherweise neue Gruppen von Patienten behandelt werden könnten - und wie wichtig Biomaterialproben für diese Forschung sind.

 

Hoffnungen auf die individuelle Behandlung von Krebspatienten (Stichwort „personalized medicine") haben neues Futter bekommen durch eine jetzt veröffentlichte Studie in der Fachzeitschrift CELL: im bisher größten Projekt dieser Art testeten Forscher die Wirkung von 265 Medikamenten auf Krebszellen, die die wichtigsten DNA-Mutationen enthalten, welche für eine Reihe verschiedener Arten von Tumoren verantwortlich sind.
 

Die Wissenschaftler fanden in hunderten Fällen, dass Medikamente, die entweder bereits in der Anwendung sind oder noch in der Entwicklung, gezielt Zellen zerstörten, wenn sie bestimmte Schlüssel-Mutationen trugen, wie sie in vielen verschiedenen Tumorarten gefunden werden. Die Ergebnisse zeigen, wie vorhandene Medikamente möglicherweise für andere, neue Zielobjekte genutzt werden könnten, um neue Gruppen von Patienten zu behandeln, oder wie sie effektiver eingesetzt werden könnten. Diese Studie wird den Forschern auch helfen, neue Medikamente zu entwickeln, die auf spezifische DNA-Signaturen von Tumoren ausgerichtet sind.

"Wir wollen verstehen, welche Patienten auf welche Krebs-Medikamente reagieren, und die Mutationen identifizieren, die es uns ermöglichen, die Patienten so auszuwählen, das ein Medikament von größtem Nutzen sein wird", sagte Matthew Garnett, ein Biologe, der die Forschungsarbeit am Sanger Institute in der Nähe von Cambridge durchführte.

Die Forscher sammelten Details über genetische Mutationen in 11.289 Gewebeproben, in denen 29 verschiedene Tumortypen vertreten waren. Mit Hilfe dieses Katalogs an Mutationen identifizierten sie 1.001 Krebszelllinien, die zusammengenommen die wichtigsten Mutationen enthalten. Im nächsten Schritt behandelte das Team die Zellen mit den 265 Krebsmedikamenten und wertete aus, anhand welcher Mutationen die erfolgreichste Vorhersage möglich war, ob ein Medikament die Krebszellen abtötet oder sie unversehrt lässt. In Zukunft könnten die Ergebnisse genetischer Tests also entscheidende Informationen liefern, die es den Ärzten ermöglichen, die Behandlungen entsprechend für die Patienten zu personalisieren.
 

Die Studie, die jetzt in der Zeitschrift Cell veröffentlicht wurde, bestätigt viele Ergebnisse über bereits bekannte Mutationen, die Krebszellen angreifbar machen für bestimmte Medikamente. Aber die Studie zeigt auch völlig neue Verbindungen auf zwischen Mutationen und Arzneimittelwirkungen, die jetzt die Hoffnung schüren, zukünftig effektivere Krebs-Behandlungen zu entwickeln. Die Ergebnisse zeigen bereits ein konkretes Beispiel, in dem ein Krebsmedikament effektiver genutzt werden kann: Mitomycin C wird verwendet, um Blasenkrebs zu behandeln. Nach der Studie ist das Medikament besonders wirksam gegen eine Untergruppe von Blasentumoren, die eine bestimmte Mutation tragen. "Mit dieser Art von Daten, sind wir in der Lage zu erklären, warum es manchen Patienten besser geht als anderen", sagte Garnett.
 

Das Sanger-Team schafft nun ein Web-Portal, um ihre Daten mit anderen Wissenschaftlern zu teilen. Dies wird Krebsforschern weltweit bei der Identifikation helfen, welche Krebszelllinien am ehesten Mutationsmuster wiederspiegeln, die ein Tumor aufweist, den sie behandeln wollen

 

 

Iorio et al., A Landscape of Pharmacogenomic Interactions in Cancer, Cell (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2016.06.017

Publiziert online open access 7 Juli 2016

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