„Wir müssen anfangen, Biobanken zu nutzen.“

Seit August 2017 ist Erik Steinfelder Generaldirektor von BBMRI-ERIC. Er folgte auf Prof. Jan-Eric Litton, der diese Position seit 2014 innehatte. Steinfelder war vor seinem Wechsel für Thermo Fisher Scientific tätig. Im Interview spricht er über seine Vision nachhaltiger Biobankstrukturen und die Zusammenarbeit zwischen BBMRI-ERIC und den nationalen Knoten.

Herr Steinfelder, Sie haben ein ehrgeiziges Arbeitsprogramm für das Jahr 2018. Bitte erläutern Sie, was BBMRI-ERIC im Jahr 2018 erreichen möchte.

Erik Steinfelder: Einer unserer Schwerpunkte für 2018 ist die Kommunikation. Auch das beste Serviceangebot hat keinen Nutzen, wenn es niemand kennt oder wenn die einzigen, die seinen Nutzen verstehen, eine kleine Gruppe von Experten ist. Das bedeutet, dass wir ein besseres Verständnis für unsere Stakeholder entwickeln müssen, indem wir die Bedürfnisse und Anforderungen der pharmazeutischen Industrie und die Erwartungen der politischen Entscheidungsträger stärker berücksichtigen. Außerdem müssen wir uns bewusstmachen, was Patienten und die Öffentlichkeit dazu motiviert, ihre Daten zu teilen und ihre Proben zu spenden. Auf diese Weise können wir unsere Nationalen Knoten besser unterstützen, die dann wiederum ihren Biobanken mehr Unterstützung bieten können.

Eines Ihrer Hauptziele ist es, Biobanken dahingehend zu stärken, dass sie einen nachhaltigen Wert erzeugen. Was meinen Sie damit?

ES: Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen, die wir während der Global Biobank Week 2017 gezogen haben, ist, dass es beim Biobanking nicht um die Anhäufung von Proben geht, sondern darum, dass ein möglichst großer Wert aus den Probensammlungen und Daten entsteht. Das meine ich, wenn ich von „nachhaltig“ spreche. Wir müssen anfangen, Biobanken zu nutzen, anstatt einfach nur mehr Proben und Daten zu sammeln und einzulagern. Was den Mehrwert anbelangt, so bin ich der festen Überzeugung, dass wir als europäische Forschungsinfrastruktur etwas bewegen können. Dies setzt jedoch voraus, dass wir als Organisation serviceorientierter werden. Unser oberstes Ziel ist es, neue Therapien zu ermöglichen. Wenn wir all unsere Anstrengungen in ganz Europa bündeln, werden wir dieses Ziel viel eher erreichen.

Wie können die Nationalen Knoten dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen?

ES: Wir sind mit zahlreichen Organisationen, Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene in Kontakt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in Europa sind jedoch beträchtlich. Deshalb müssen wir sehr eng mit den Nationalen Knoten zusammenarbeiten, Erfahrungen austauschen und uns gegenseitig informieren, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Nehmen wir als Beispiel die Kommunikation: Es ist für uns sehr hilfreich, wenn die Nationalen Knoten unsere News auf nationaler Ebene kommunizieren. Wir verfügen zwar über ein großes Netzwerk, aber die Nationalen Knoten können uns helfen, Informationen auf regionaler und lokaler Ebene zu verteilen. Im Gegenzug helfen wir ihnen, ihre Botschaften auf internationaler Ebene zu verbreiten.

Seit 2017 sind Sie Generaldirektor von BBMRI-ERIC. Was finden Sie an Ihrer neuen Aufgabe am spannendsten?

ES: Mir gefällt besonders, dass wir einerseits die Anlaufstelle für die nationalen Knoten sind, aber auch ihre Stimme auf europäischer Ebene und als solche dafür sorgen, dass wir auf der europäischen Agenda vertreten sind. Weiterhin macht es mir sehr viel Spaß, mit meinem engagierten Team in Graz zu arbeiten. Die unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen und Fähigkeiten meiner Teammitglieder ermöglichen es uns, aus einem breiten Spektrum an Fachwissen zu schöpfen. Das ist großartig.

Vor Ihrem Wechsel zu BBMRI-ERIC haben Sie als Biobanking Commercial Leader im Management bei Thermo Fisher Scientific gearbeitet. Welche Impulse aus Ihrem industriellen Hintergrund bringen Sie in Ihre neue Führungsposition bei BBMRI-ERIC ein?

ES: Eine der ersten Maßnahmen, die ich eingeführt habe, waren monatliche Statusberichte und Key Performance Indicators. Nur weil wir eine Non-Profit-Organisation sind, heißt das nicht, dass wir nicht effizient arbeiten müssen. Eine transparente Erfolgskontrolle unserer Leistungen hilft uns dabei, den Überblick über den richtigen Kurs zu behalten und bei Bedarf Korrekturen vorzunehmen. Darüber hinaus erhalten die Steuerungsgremien einen besseren Einblick in unsere Aktivitäten, die Schwerpunkte und Herausforderungen für die kommenden Monate. Ich versuche immer, einen proaktiveren Kurs zu verfolgen, anstatt nur zu reagieren.

Was sind die größten Herausforderungen für die nächsten drei Jahre?

ES: Während BBMRI-ERIC seinen Fokus auf das Biobanking legt, müssen wir bedenken, dass Biobanking nur einen Teil einer längeren Wertschöpfungskette darstellt. Wir müssen sicherstellen, dass wir nicht losgelöst von den anderen Teilen dieser Wertschöpfungskette operieren. Vielmehr müssen wir sehr eng mit anderen Organisationen kooperieren, um wirklich einen Mehrwert bieten zu können. Der zweite wichtige Aspekt ist, dass wir die digitale Wissenschaft stärker in den Fokus stellen. In Zukunft wird sich alles um Daten drehen.

 

Das Arbeitsprogramm von BBMRI-ERIC für das Jahr 2018 finden Sie hier (Englisch) [pdf].

Eine englische Version des Interviews ist hier zu lesen.

 

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